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EU AI Act 2026: Was du als Selbstständige wissen musst, der praktische Leitfaden für EPUs

20.Apr.2026
Grafische Darstellung zum EU AI Act 2026, dem neuen EU-Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz, mit Fokus auf Pflichten für EPUs und Kleinunternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Du nutzt ChatGPT für Texte, Canva AI für Grafiken oder einen KI-Chatbot auf deiner Website? Dann betrifft dich der EU AI Act. Seit Februar 2025 gelten bereits erste Pflichten und ab August 2026 wird es ernst. Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, was du tun musst, bis wann du es tun musst und wie du dich als EPU schlank und rechtskonform aufstellst.

Bin ich überhaupt betroffen? Der Schnellcheck

Bevor du abwinkst und denkst „Ich bin doch kein Tech-Konzern”, hier die unbequeme Wahrheit: Der EU AI Act kennt keine Ausnahme für Kleinunternehmen. Er gilt für jede Unternehmensgröße, vom Großkonzern bis zum Ein-Personen-Unternehmen.

Wenn du eine der folgenden Fragen mit Ja beantwortest, bist du betroffen:

  • Nutzt du ChatGPT, Claude, Copilot oder ähnliche Tools für dein Business?
  • Erstellst du Grafiken mit Midjourney, DALL-E oder Canva AI?
  • Hast du einen KI-Chatbot auf deiner Website?
  • Verwendest du KI-gestützte Buchhaltungssoftware?
  • Setzt du KI-Tools für Social-Media-Texte, E-Mails oder Newsletter ein?
  • Nutzt du ein CRM mit KI-Funktionen?

Falls auch nur ein Ja dabei war: Weiterlesen lohnt sich. Denn bestimmte Pflichten gelten bereits seit Februar 2025, und die meisten EPUs wissen noch nichts davon.

Was ist der EU AI Act? Die Kurzfassung

Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) ist das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Er ist seit dem 1. August 2024 in Kraft und wird stufenweise anwendbar.

Das Grundprinzip: Risikobasierter Ansatz

Das Gesetz teilt KI-Anwendungen in vier Risikokategorien ein. Je höher das Risiko, desto strenger die Pflichten:

Stufe 1, Unannehmbares Risiko (verboten) Social Scoring, unterschwellige Manipulation, Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Seit Februar 2025 sind auch sogenannte Nudifier-Apps verboten, also KI-Systeme, die ohne Einwilligung intime Bilder erzeugen. Für die meisten EPUs nicht direkt relevant.

Stufe 2, Hohes Risiko (strenge Pflichten) KI in der Personalrekrutierung, im Kreditwesen, in der Justiz oder im Gesundheitsbereich. Betrifft dich nur, wenn du KI für Entscheidungen über Menschen einsetzt, etwa automatisiertes Bewerber-Screening.

Stufe 3, Begrenztes Risiko (Transparenzpflichten) Chatbots, KI-generierte Texte und Bilder. Das ist die Kategorie, die die meisten Selbstständigen betrifft. Hauptpflicht: Kennzeichnung.

Stufe 4, Minimales Risiko (kaum Pflichten) Spam-Filter, Empfehlungssysteme, Autokorrektur. Hier gelten nur freiwillige Verhaltenskodizes.

Zwei Rollen, die du kennen musst

Der AI Act unterscheidet zwischen Anbietern (wer ein KI-System entwickelt und unter eigenem Namen vertreibt) und Betreibern (wer ein fremdes KI-System im eigenen Geschäft nutzt). Als EPU, die ChatGPT oder ähnliche Tools nutzt, bist du Betreiberin, und damit fallen bestimmte Pflichten auf dich.

Was ist schon passiert, was kommt noch?

Der AI Act wird stufenweise scharf geschaltet. Seit dem 2. Februar 2025 gelten die Verbote für KI-Systeme mit unannehmbarem Risiko und, besonders wichtig für dich, die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4. Seit dem 2. August 2025 greifen die Pflichten für Anbieter großer KI-Modelle wie GPT oder Claude, was vor allem die Hersteller selbst betrifft.

Der nächste große Stichtag ist der 2. August 2026: Ab dann gelten die Transparenzpflichten für alle, die KI-generierte Inhalte veröffentlichen oder Chatbots einsetzen. Gleichzeitig werden die Bußgelder durchsetzbar.

Die ursprünglich ebenfalls für August 2026 geplanten Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme wurden durch das Digital-Omnibus-Paket, das das EU-Parlament im März 2026 beschlossen hat, auf Dezember 2027 bzw. August 2028 verschoben. Die grundlegenden Transparenz- und Kompetenzpflichten bleiben aber unverändert bestehen.

Österreich, Deutschland, Schweiz, was ist wo anders?

Der EU AI Act ist eine EU-Verordnung und gilt daher in Österreich und Deutschland direkt, ohne dass ein nationales Umsetzungsgesetz nötig wäre. Die Schweiz hat als Nicht-EU-Mitglied einen Sonderweg. Hier die wesentlichen Unterschiede:

🇦🇹 Österreich

  • Zuständige Behörde: Die KI-Servicestelle bei der RTR-GmbH (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH) ist seit September 2024 die zentrale Anlaufstelle. Rechtsgrundlage ist das KI-Servicestelle-Gesetz (KISG).
  • Aufsicht nach Sektor: Je nach Anwendungsbereich sind zusätzlich andere Behörden zuständig, die FMA bei Finanzen, das BASG bei Medizinprodukten, die Datenschutzbehörde bei DSGVO-Fragen.
  • Hilfsangebote: Die WKO bietet kostenlose Muster-KI-Richtlinien an. Die RTR stellt einen AI-Act-Chatbot bereit und veröffentlicht laufend Leitfäden.
  • Erste Bußgelder: Sind realistisch ab 2027 zu erwarten.

🇩🇪 Deutschland

  • Zuständige Behörde: Die Bundesnetzagentur (BNetzA) wird voraussichtlich die zentrale nationale Aufsichtsbehörde.
  • Nationales Umsetzungsgesetz: Deutschland hat das KI-Marktüberwachungs- und Informationsgesetz (KI-MIG) auf den Weg gebracht, das die Durchsetzung der EU-Vorgaben auf nationaler Ebene regeln soll.
  • Hilfsangebote: Die IHKs bieten Webinarreihen und Umsetzungsleitfäden an. Der Branchenverband Bitkom hat einen umfassenden Leitfaden veröffentlicht.

🇨🇭 Schweiz

  • Kein automatisches Inkrafttreten: Als Nicht-EU-Mitglied gilt der AI Act in der Schweiz nicht direkt. Die Schweiz prüft derzeit, ob und wie sie den AI Act ins nationale Recht überführt.
  • Aber: Schweizer Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen in der EU anbieten oder deren KI-Systeme Auswirkungen auf Personen in der EU haben, fallen trotzdem unter den AI Act (sogenannte extraterritoriale Wirkung, ähnlich wie bei der DSGVO).
  • Aktueller Stand: Der Bundesrat hat im November 2023 einen sektorspezifischen Regulierungsansatz beschlossen. Es gibt bisher kein eigenes KI-Gesetz.
  • Empfehlung für Schweizer EPUs: Wer Kund:innen in der EU hat, sollte den AI Act trotzdem einhalten, schon aus Marktgründen und zur Risikominimierung.
 

Deine Checkliste: Was musst du tun, und bis wann?

Hier ist deine priorisierte To-do-Liste als EPU. Die Punkte sind nach Dringlichkeit sortiert. Im nächsten Abschnitt zeige ich dir zu jedem Punkt genau, was zu tun ist.

Nr. Was? Bis wann?  
1 KI-Kompetenz sicherstellen und dokumentieren Gilt bereits seit 02/2025  
2 KI-Inventar erstellen (welche Tools nutze ich?) Sofort  
3 Interne KI-Richtlinie verfassen Bis Sommer 2026  
4 Transparenzhinweise auf Website, Social Media etc. Bis 02.08.2026  
5 Verträge und AGBs der KI-Anbieter prüfen Bis Sommer 2026  
6 DSGVO-Konformität beim KI-Einsatz sicherstellen Laufend  
7 Risikoeinstufung aller KI-Systeme abschließen Bis Herbst 2026  

 

Die Checkliste im Detail: So setzt du jeden Punkt um

1. KI-Kompetenz sicherstellen und dokumentieren

Was bedeutet das? Artikel 4 des AI Act verlangt, dass alle Personen, die mit KI-Systemen arbeiten, über ein „ausreichendes Maß an KI-Kompetenz” verfügen. Als EPU bist du selbst dein gesamtes Personal. Du musst also sicherstellen, dass du verstehst, was du da tust, wenn du KI-Tools einsetzt.

KI-Kompetenz umfasst laut der Verordnung drei Bereiche:

  • Technisches Grundverständnis: Wie funktioniert das KI-Tool? Was kann es gut, wo liefert es Fehler? Was sind sogenannte Halluzinationen (also Fälle, in denen die KI Fakten erfindet)?
  • Rechtliches Basiswissen: Welche Daten darfst du eingeben? Was sagt die DSGVO? Was der AI Act? Was das Urheberrecht?
  • Anwendungsbezogene Kompetenz: Wie setzt du die Tools konkret so ein, dass das Ergebnis qualitativ und rechtlich in Ordnung ist?

Wie löst du das als EPU? Du brauchst kein Zertifikat und keinen teuren Kurs. Aber du brauchst eine nachweisbare Kompetenz. So gehst du vor:

  • Informiere dich über die offiziellen Leitlinien deiner nationalen KI-Aufsichtsstelle (z.B. RTR in Österreich, BNetzA in Deutschland). Diese veröffentlichen kostenlose, gut verständliche Informationen zur KI-Kompetenz.
  • Erstelle ein kurzes Dokument (1 bis 2 Seiten), in dem du festhältst: welche KI-Tools du nutzt, wofür, was du über deren Funktionsweise weißt und welche Regeln du dir selbst dafür gesetzt hast.
  • Notiere Weiterbildungen mit Datum, z.B. „April 2026: Leitfaden zur KI-Kompetenz gelesen”, „Mai 2026: Webinar zu KI im Unternehmen besucht”.
  • Halte das Dokument aktuell, wenn du neue Tools einsetzt oder dazulernst.

Kosten-Tipp: Viele Kammern und Branchenverbände bieten kostenlose Webinare und Leitfäden an. Kostenpflichtige Kurse zum Thema KI-Kompetenz und AI Act sind als Betriebsausgabe absetzbar. Prüfe außerdem die Bildungsförderungen in deinem Land bzw. Bundesland.

2. KI-Inventar erstellen

Was bedeutet das? Bevor du irgendetwas anderes tun kannst, musst du wissen, welche KI-Systeme du überhaupt einsetzt. Das klingt trivial, aber in der Praxis nutzen viele Unternehmen mehr KI als sie denken. Spam-Filter, die Autokorrektur im Smartphone, die „Smart Reply”-Funktion in Gmail, die automatische Kategorisierung in Buchhaltungstools, das alles kann KI sein.

Wie löst du das? Erstelle eine strukturierte Übersicht aller KI-Tools in deinem Business. Weiter unten in diesem Artikel findest du eine Vorlage zum Download, die du direkt verwenden kannst.

Für ein EPU empfehle ich folgende Spalten als sinnvolles Minimum:

Spalte Warum wichtig?
Inventar-Nr. Einfache Nummerierung zur Referenzierung
Tool-Name Welches System, z.B. „ChatGPT”, „Canva AI”
Anbieter Wer stellt das Tool bereit?
Risikoklasse (AI Act) Minimal, begrenzt, hoch oder unannehmbares Risiko
Einsatzzweck Wofür nutzt du es konkret?
Betroffene Personen Wer ist betroffen, z.B. Kund:innen, Website-Besucher:innen, nur du selbst
Eingabedaten Welche Daten gibst du ein, z.B. allgemeine Texte, Kundendaten, Bilder
Personenbezogene Daten? Ja oder nein, und falls ja, welche Art
Besondere Datenkategorien (Art. 9 DSGVO)? Gesundheitsdaten, religiöse Überzeugungen etc., wichtig falls du z.B. im Gesundheits- oder Bildungsbereich arbeitest
Speicherort/Region Wo werden die Daten verarbeitet, z.B. EU, USA
Automatisierungsgrad Vollautomatisiert, teilautomatisiert oder rein unterstützend
Menschliche Kontrolle vorhanden? Prüfst du die Ergebnisse bevor sie weitergehen?
Rechtsgrundlage/Vertrag Gibt es AGBs, einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) etc.?
Letztes Review Wann hast du das Tool zuletzt überprüft?
Nächstes Review Wann steht die nächste Überprüfung an?
Status Aktiv, in Evaluierung, deaktiviert

 

Was du weglassen kannst: Die in manchen umfangreichen Vorlagen vorgesehenen separaten Spalten für „Verantwortlich Business”, „Verantwortlich Technik” und „Verantwortlich Compliance” sind bei einem EPU überflüssig, denn das bist alles du. Ebenso braucht ein EPU in der Regel keine separate Risikobewertungs-ID, kein detailliertes Monitoring- oder Logging-Konzept und keine Dokumentations-Verlinkung. Diese Felder sind für größere Unternehmen mit mehreren Abteilungen gedacht. Falls du später wächst, kannst du die Tabelle jederzeit erweitern.

Tipp: Geh deine Abos, Apps und Browser-Erweiterungen systematisch durch. Oft versteckt sich KI in Tools, bei denen man es nicht erwartet.

3. Interne KI-Richtlinie verfassen

Was bedeutet das? Eine KI-Richtlinie ist ein Dokument, das festlegt, wie du in deinem Unternehmen mit KI umgehst. Für ein EPU kann das sehr schlank ausfallen, aber es sollte existieren. Die nationalen Aufsichtsstellen und Wirtschaftskammern empfehlen ein solches Dokument ausdrücklich.

Was gehört rein?

  1. Strategie: In welchen Bereichen setzt du KI ein und warum?
  2. Erlaubte und verbotene Nutzung: Was darf in KI-Tools eingegeben werden? Was nicht? (z.B. keine Kundennamen, keine Gesundheitsdaten)
  3. Qualitätskontrolle: Wie prüfst du KI-generierte Inhalte vor der Veröffentlichung?
  4. Datenschutz: Wie stellst du sicher, dass keine personenbezogenen Daten in KI-Tools landen?
  5. Kennzeichnung: Wie und wo kennzeichnest du KI-generierte Inhalte?
  6. Verantwortlichkeit: Du bist für alles verantwortlich, was du veröffentlichst, egal ob du es selbst geschrieben oder eine KI es erstellt hat.

Muss ich die KI-Richtlinie irgendwo veröffentlichen? Nein. Die KI-Richtlinie ist ein internes Dokument und muss weder auf deiner Website veröffentlicht noch proaktiv an Kund:innen herausgegeben werden. Sie muss lediglich in deinem Unternehmen vorhanden und abrufbar sein. Im Fall einer Überprüfung durch eine Aufsichtsbehörde musst du sie auf Anfrage vorzeigen können. Die Transparenzpflichten gegenüber der Öffentlichkeit (wie z.B. der Hinweis auf KI-generierte Inhalte auf deiner Website) sind ein separater Punkt, den du unter Punkt 4 dieser Checkliste findest.

Kosten-Tipp: Wirtschaftskammern und Branchenverbände bieten in vielen Ländern kostenlose Muster-KI-Richtlinien an, die du als Vorlage verwenden und an dein Business anpassen kannst. Damit sparst du dir Anwaltskosten und hast eine solide Grundlage.

4. Transparenzhinweise auf Website und Social Media

Was bedeutet das? Ab dem 2. August 2026 gilt: Wer KI-generierte Inhalte veröffentlicht oder Chatbots einsetzt, muss das klar kennzeichnen. Das ist die Transparenzpflicht nach Artikel 50 des AI Act.

Was musst du konkret tun?

KI-Chatbot auf der Website: Ein klar sichtbarer Hinweis direkt beim Chat-Fenster. Zum Beispiel: „Du kommunizierst hier mit einer KI, kein Mensch.” Ein Vermerk nur in der Datenschutzerklärung reicht nicht aus.

KI-generierte Texte und Bilder: Wenn du Blogartikel, Social-Media-Posts, Newsletter oder Seminarunterlagen ganz oder teilweise mit KI erstellst, sollte das erkennbar sein. Bei klar synthetischen Bildern (Illustrationen, abstrakte Grafiken) reicht eine allgemeine Kennzeichnung, z.B. im Footer deiner Website oder im Impressum: „Auf dieser Seite werden teilweise KI-generierte Inhalte verwendet.”

Deepfakes: Bilder oder Videos, die reale Personen täuschend echt darstellen, müssen besonders streng gekennzeichnet werden. Für die meisten EPUs kein Thema, aber gut zu wissen.

Wichtig zu verstehen: Wenn du KI rein intern nutzt, etwa für Recherche oder das Formulieren interner Notizen, entsteht in der Regel keine Transparenzpflicht nach außen. Die Pflicht greift erst, wenn KI nach außen wirkt, also gegenüber Kund:innen, Website-Besucher:innen oder der Öffentlichkeit.

Praxis-Tipp: Beginne schon jetzt mit der Kennzeichnung, nicht erst im August 2026. Das schafft Vertrauen bei deinen Kund:innen und zeigt Professionalität.

5. Verträge und AGBs der KI-Anbieter prüfen

Was bedeutet das? Als Betreiberin eines KI-Systems trägst du bestimmte Pflichten. Gleichzeitig haben die Anbieter (also OpenAI, Google, Anthropic etc.) eigene Pflichten. Die Abgrenzung, wer wofür haftet, ergibt sich aus den Verträgen und AGBs.

Worauf solltest du achten?

  • Datenverarbeitung: Wo werden deine Eingaben verarbeitet? Werden sie für das Training des Modells verwendet? (Wichtig für DSGVO-Konformität)
  • Urheberrecht: Manche Anbieter bieten eine Garantie, dass die generierten Inhalte nicht gegen Urheberrechte verstoßen. Andere nicht. Prüfe, wie dein Anbieter das handhabt.
  • Haftung: Was passiert, wenn das KI-System fehlerhafte Ergebnisse liefert und dir daraus ein Schaden entsteht?
  • Verfügbarkeit und Änderungen: Anbieter können ihre Modelle, Funktionen und Preise jederzeit ändern. Wie wirkt sich das auf dein Geschäft aus?

Praxis-Tipp: Du musst keine Anwältin sein. Lies dir die AGBs deiner wichtigsten KI-Tools einmal durch und notiere dir die Kernpunkte. Bei Unsicherheiten hilft eine einmalige kurze Rechtsberatung, die Kosten dafür sind als Betriebsausgabe absetzbar.

6. DSGVO-Konformität beim KI-Einsatz sicherstellen

Was bedeutet das? Der AI Act ersetzt die DSGVO nicht, er ergänzt sie. Wenn du personenbezogene Daten in KI-Systeme eingibst, gelten weiterhin alle Datenschutzregeln.

Goldene Regeln für EPUs:

  • Keine Kund:innennamen oder andere personenbezogene Daten in öffentliche KI-Tools wie ChatGPT eingeben.
  • Keine Gesundheitsdaten oder andere sensible Informationen in KI-Tools verarbeiten, besonders relevant, wenn du im Gesundheits-, Trainings- oder Beratungsbereich arbeitest und Klient:innen-Informationen hast.
  • Auftragsverarbeitung prüfen: Wenn dein KI-Tool personenbezogene Daten verarbeitet, brauchst du möglicherweise einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem Anbieter.
  • Datenschutzerklärung aktualisieren: Wenn du KI-Tools einsetzt, die Daten deiner Website-Besucher:innen verarbeiten (z.B. ein Chatbot), muss das in deiner Datenschutzerklärung stehen.

Tipp: Viele KI-Anbieter bieten inzwischen Business-Tarife an, bei denen die eingegebenen Daten nicht für das Modell-Training verwendet werden. Das kann datenschutzrechtlich einen großen Unterschied machen.

Kostenlose Datenschutzerklärung erstellen oder aktualisieren: Wenn du noch keine DSGVO-konforme Datenschutzerklärung hast oder deine bestehende um KI-Passagen ergänzen musst, gibt es mehrere kostenlose Generatoren, die anwaltlich geprüfte Textbausteine liefern:

  • datenschutz-generator.de (Dr. Thomas Schwenke): Kostenlos für Privatpersonen und Unternehmen mit unter 5.000 € Jahresumsatz, darüber einmalig 99,90 €. Sehr umfangreich mit über 2.500 Modulen, gilt für AT, DE und CH.
  • adsimple.at (für Österreich) bzw. adsimple.de (für Deutschland): Kostenlose Basisversion mit anwaltlich geprüften Texten, Quellverweis nötig.
  • fairesrecht.at: Komplett kostenloser Generator speziell für österreichische Websites, Quellverweis als Link erforderlich.
  • datenbuddy.de: Kostenlose Module für Österreich, Schweiz und Deutschland, anwaltlich geprüft, Quellverweis nötig.

Wichtig: Kein Generator ersetzt eine individuelle Rechtsberatung, aber für den Einstieg und die häufigsten Anwendungsfälle sind diese Tools eine gute und günstige Lösung. Achte darauf, dass du bei der Erstellung auch die Nutzung von KI-Tools als Verarbeitungsvorgang angibst.

7. Risikoeinstufung aller KI-Systeme abschließen

Was bedeutet das? Geh dein KI-Inventar (Punkt 2) durch und ordne jedes Tool einer Risikoklasse zu. Für die allermeisten EPUs wird das Ergebnis sein: minimales oder begrenztes Risiko. Aber die Einstufung solltest du einmal bewusst gemacht und dokumentiert haben.

Wann wird es Hochrisiko? Wenn du KI für Entscheidungen über Menschen einsetzt. Beispiele: automatisiertes Bewerber-Screening, KI-gestützte Bonitätsprüfung, KI-basierte Leistungsbewertung von Mitarbeitenden. Für ein typisches EPU im Dienstleistungsbereich eher unwahrscheinlich.

Hilfstool: Die EU bietet einen kostenlosen AI Act Compliance Checker an, mit dem du deine Systeme grob einstufen kannst: artificialintelligenceact.eu

Generelle Empfehlungen: So stellst du dich schlau auf

Fang jetzt an, nicht erst im Juli 2026

Das Muster kennen wir von der DSGVO: Alle wussten es, alle warteten, und dann wurde es im letzten Quartal hektisch. Wer jetzt beginnt, hat den großen Vorteil, dass der Aufwand in kleinen Häppchen machbar ist. Die KI-Kompetenzpflicht gilt ohnehin schon seit Februar 2025, das kannst du in einer Stunde dokumentieren.

Nutze die Erleichterungen für KMU

Der AI Act nimmt auf kleine Unternehmen Rücksicht. KMU und Kleinstunternehmen profitieren von reduzierten Gebühren für Konformitätsbewertungen, vereinfachter technischer Dokumentation, bevorzugtem und kostenlosem Zugang zu regulatorischen Sandboxes und eigenen Kommunikationskanälen für Fragen an die EU-Kommission.

Mach Transparenz zum Qualitätsmerkmal

Statt die Kennzeichnungspflicht als lästige Bürokratie zu sehen, nutze sie als Vertrauenssignal. „Wir setzen KI verantwortungsvoll ein” kann ein echter Wettbewerbsvorteil sein, besonders wenn du im Trainings-, Beratungs- oder Bildungsbereich arbeitest.

Setze auf vorhandene Strukturen

Wenn du bereits eine Datenschutzerklärung hast (und die solltest du haben), ist der AI Act kein kompletter Neustart. Viele Pflichten überschneiden sich mit der DSGVO. Erweitere bestehende Dokumente, statt alles von Grund auf neu zu erstellen.

Kosten im Griff behalten

Für ein typisches EPU mit KI-Nutzung im Bereich begrenztes oder minimales Risiko ist der Aufwand überschaubar:

  • KI-Richtlinie: 1 bis 2 Stunden mit einer Muster-Vorlage
  • KI-Inventar: 30 Minuten
  • Transparenzhinweise: 15 Minuten
  • Kompetenz-Dokumentation: 30 Minuten, dann laufend ergänzen
  • AGB-Check der KI-Tools: 1 Stunde

Das sind insgesamt etwa 3 bis 4 Stunden einmaliger Aufwand plus gelegentliche Updates.

Schulungskosten absetzen und Förderungen nutzen

Wenn du kostenpflichtige KI-Schulungen besuchst, sind die Kosten als Betriebsausgabe absetzbar. Darüber hinaus gibt es je nach Land verschiedene Bildungsförderungen auf Bundes- und Landesebene. Informiere dich bei deiner Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer oder dem zuständigen Förderportal deines Landes, welche Programme aktuell zur Verfügung stehen.

Bleib am Ball

Der AI Act ist kein einmaliges Projekt, sondern ein laufender Prozess. Das Digital-Omnibus-Paket wird gerade verhandelt und könnte weitere Erleichterungen bringen. Abonniere den Newsletter deiner nationalen KI-Aufsichtsstelle (z.B. RTR in Österreich, Bundesnetzagentur in Deutschland), um über Änderungen informiert zu bleiben.

Fazit: Kein Grund zur Panik, aber auch kein Grund zum Warten

Der EU AI Act ist kein Grund, KI in deinem Business nicht mehr zu nutzen, im Gegenteil, er ist ein Grund, sie strukturiert einzusetzen. Für die allermeisten EPUs läuft es auf drei Kernpflichten hinaus: Kompetenz sicherstellen, Transparenz herstellen, Dokumentation anlegen. Das ist in wenigen Stunden machbar.

Wer jetzt anfängt, ist nicht nur rechtskonform, sondern hat auch einen echten Wettbewerbsvorteil: Du weißt, was du tust, du kannst es belegen und du signalisierst deinen Kund:innen Professionalität.

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Du weißt jetzt, was du tun musst, aber wo anfangen? Am besten mit einer sauberen Übersicht aller KI-Tools, die du in deinem Business nutzt. Genau dafür habe ich eine fertige Excel-Vorlage erstellt, die du direkt verwenden kannst.

Die Vorlage enthält alle 16 Spalten, die für ein EPU sinnvoll sind (von Tool-Name über Risikoklasse bis zum nächsten Review-Datum), vier vorausgefüllte Beispielzeilen zur Orientierung, praktische Dropdown-Menüs für Risikoklasse, Status und mehr sowie ein Nachschlageblatt mit den vier Risikoklassen des AI Act auf einen Blick.

Einfach herunterladen, die Beispielzeilen mit deinen eigenen Tools überschreiben und du hast den wichtigsten Baustein deiner AI-Act-Compliance erledigt.

Die Vorlage dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Stand: April 2026.

Disclaimer

❗️ Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Stand: April 2026. Da sich die Rechtslage laufend ändert (insbesondere durch das Digital-Omnibus-Paket), empfiehlt sich ein regelmäßiger Check der genannten Quellen.

© Foto: Erstellt mit Canva
Text: Isabella Raunigk | Redaktionelle Überarbeitung unter Einsatz von KI-gestützten Tools

Quellenangaben

Verordnung (EU) 2024/1689, Volltext des AI Act: artificialintelligenceact.eu/ai-act-explorer
Digital Austria, AI Act Übersicht (Bundeskanzleramt Österreich): digitalaustria.gv.at/Themen/KI/AI-Act
RTR KI-Servicestelle, Zentrale Anlaufstelle Österreich: rtr.at/ki-servicestelle
RTR Leitfaden zur KI-Kompetenz (Art. 4): rtr.at/ki-kompetenz
WKO, KI und AI Act: wko.at/digitalisierung/ai-act-eu
WKO, Muster-KI-Richtlinien: wko.at/ki
EU AI Act, KMU-Leitfaden: artificialintelligenceact.eu/small-businesses-guide
Austrian Standards, AI Act und Normen: austrian-standards.at/ai-act
RTR FAQ zum AI Act: rtr.at/faq
IHK München, AI Act Ratgeber (Deutschland): ihk-muenchen.de/ai-act
Artikel 4 AI Act, Originaltext: artificialintelligenceact.eu/article/4

Isabella ist diplomierte psychologische Beraterin, Business Coach, Trainerin für Erwachsenenbildung und zertifiziert für systemische Aufstellungsarbeit. Mit 13+ Jahren Erfahrung als selbstständige Senior UX-Designerin und der Zusammenarbeit mit Kund:innen in ganz Europa bringt Isabella eine einzigartige, interdisziplinäre Perspektive in ihre Arbeit als Coach und Mentorin ein.

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