Die Wenn-Dann-Falle: Wie du dich selbst vom Glücklichsein abhältst

Kennst du das? Singles beneiden Menschen in Partnerschaften, Menschen in Partnerschaften beneiden Verheiratete mit Kindern, und Menschen mit Kindern beneiden wiederum die Singles. Eine überspitzte, aber oft wahre Darstellung des klassischen “Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner”-Syndroms.
Ich begegne diesem Phänomen täglich – und ja, auch ich bin davor nicht gefeit. Wir alle kennen diese Momente: Der schnelle Scroll durch Instagram, der Blick auf die Karriere der Kolleg:in, das scheinbar perfekte Leben der Anderen. Statt uns inspirieren zu lassen oder uns für andere zu freuen, nagt oft heimlich der Neid an uns.

Die Falle der ewigen Warteschleife
“Wenn ich erst XYZ habe, dann bin ich glücklich, dann wird alles leichter.” Kommt dir dieser Satz bekannt vor? Ist dir aufgefallen, dass du “XYZ” immer wieder erreicht hast und das erhoffte Gefühl trotzdem nicht eintraf? Oft vergessen wir sogar, unsere Erfolge zu feiern, oder spüren gar nichts mehr, wenn uns etwas gelingt, was wir uns vorgenommen haben.
Wir sind so weit außerhalb unserer Mitte, dass wir gar nicht da sind, um die Gefühle zu spüren.
Schau dir diese typischen Beispiele an:
- 🏋🏼♀️ Emily sagt: “Wenn ich 10kg abgenommen habe, bin ich glücklich”
- 👩🏽⚕️ Claudia denkt: “Wenn ich den neuen Job habe, bin ich glücklich”
- 👰🏼♀️ Judith träumt: “Wenn ich einen Partner habe, wird mein Leben leichter”
- 🤰🏻 Sara hofft: “Wenn ich erst schwanger bin, wird alles gut”
- 🙆 Helena wartet: “Wenn mein Kind im Kindergarten ist, wird es leichter”
- 👩🏿🎤 Andrea zögert: “Ich brauche nur noch diese eine Ausbildung, dann starte ich mein Business”
- 🧑🏽🦳 Karina verschiebt: “Wenn ich endlich in der Pension bin, habe ich Zeit”
Was haben diese Frauen* gemeinsam? Sie alle geben die Macht über ihr Glück an externe Faktoren ab und bleiben dabei unzufrieden und handlungsunfähig, denn sie müssen warten. Warten auf Dinge, die vielleicht nicht passieren oder ganz anders eintreten als erwartet. Wir malen uns ein Leben nach dem “Wenn-Dann” aus, das nur in unserem Kopf existiert und meist nichts mit der Realität zu tun hat. Als selbsternannte Hellseherinnen können wir nur enttäuscht werden, weil wir unser Schicksal aus der Hand geben.

Wege aus der Vergleichsfalle
Es gibt so viele kleine Hinweise, die wir aus verschiedenen Richtungen bekommen und die hier alle zusammenspielen. Mit einigen dieser Methoden habe ich selbst gute Erfahrungen gemacht. Vieles davon kennst du bestimmt – aber oft übersehen wir die Wichtigkeit und den Zusammenhang:
1. Im Hier und Jetzt bleiben
Man sagt, depressive Menschen sind zu viel in der Vergangenheit und ängstliche/nervöse Menschen zu weit in der Zukunft. Die größte Wirkungskraft haben wir nur im Hier und Jetzt. Was kann ich JETZT tun? Welche Möglichkeiten habe ich JETZT, die mir vielleicht nicht bewusst sind, weil ich zu weit voraus schaue?
2. Dankbarkeit kultivieren
Blick zurück in dein Leben vor 10 Jahren – was hast du dir damals alles gewünscht, was jetzt in deinem Leben ist? Hattest du schon Zeit, das alles zu genießen? Es ist egal, ob wir eine Wohnung oder ein Haus haben, solang wir ein Zuhause haben. Es ist egal, ob wir 70 oder 80kg haben, solang wir einen gesunden Körper haben. Dankbarkeit für alles, was du im Moment hast, klingt so simpel – wir hören es ständig und doch gelingt es uns nur in manchen Momenten.
3. Potenziale erkennen
Wenn du Abendessen kochen möchtest und keinen Plan hast, schaust du in den Kühlschrank, den Tiefkühler und deine Vorräte und überlegst, was du aus dem machen kannst, was da ist. Genau so kannst du es mit deinem Leben machen. Statt drüber nachzudenken, was noch schön wäre (ja, ich hab auch gern fancy Lebensmittel zuhause), machst du dir das Beste aus dem, was du hast. Denn die Zeit vergeht, der nächste Einkauf kommt, und du hast schon wieder ein anderes Set Karten, das dir das Leben serviert, aus dem du wählen kannst. Durch die schlimmsten Situationen im Leben schaffen es die Menschen am einfachsten, die Potenziale erkennen und aus dem, was gerade da ist, das Beste machen.
4. Heute ist nicht morgen ist nicht übermorgen
Wir versuchen krampfhaft alles zu kontrollieren: was morgen passiert, was wir in diesem Jahr erreichen wollen, wie unser Leben verlaufen wird. Kontrolle gibt uns Sicherheit und danach sehnen wir uns. Die wenigsten sind gern fremdbestimmt, und doch ist es naiv zu glauben, wir hätten über wirklich viel im Leben Kontrolle. Die Wahrheit ist: Wir wissen nicht was morgen ist. Wir wissen nicht, ob wir noch 5 Tage oder 50 Jahre leben werden und manchmal ist diese “Watsche der Einsicht” wichtig, um uns selbst nicht so wichtig zu nehmen und zu verstehen, dass nur wir die Entscheidung treffen können, glücklich zu sein. Read this again: Glück ist eine Entscheidung die wir treffen. Jeden Tag.
5. Die richtigen Verbindungen pflegen
Wir sehnen uns nach Verständnis und Austausch, aber oft bleiben unsere Gespräche an der Oberfläche, weil wir Angst haben, verletzlich zu sein. Dabei passieren die wahren Verbindungen und Entwicklungen genau dann, wenn wir uns trauen, ehrlich zu sein. Manche unserer Freund:innen sind perfekt fürs gemeinsame Jammern und Frustablassen – und das hat auch seinen Platz. Andere wiederum inspirieren uns, zeigen neue Perspektiven auf und motivieren uns, den nächsten Schritt zu gehen. Die Kunst liegt darin, zu erkennen, welche Art von Unterstützung wir gerade brauchen und uns bewusst mit Menschen zu umgeben, die uns diese geben können. Sich dabei verletzlich zu zeigen und über die eigenen Unzufriedenheiten, Neid und Frust zu sprechen, macht uns menschlich und schafft echte Verbindungen. Denn in Wahrheit geht es den meisten von uns ähnlich – auch wenn wir in oberflächlichen Begegnungen oder auf Social Media nur die perfekt kuratierte 5%-Version voneinander sehen.

Wie diese Tools im echten Leben wirken können
“Wenn ich 10kg abgenommen habe, bin ich glücklich”
🏋🏼♀️ Emily lernt Dinge an ihrem Körper zu schätzen, die sie bisher nicht wahrgenommen hat und ist dankbar für ihre Gesundheit und dass sie im Sommer eine Weitwanderung mit einer Freundin machen kann, weil ihr Körper sie verlässlich trägt. Weil sie ihren Körper weiter pflegen möchte, plant sie künftig weitere Dinge ein, die ihrer Gesundheit gut tun (Regelmäßige Check-Ups bei der Vorsorge, einen guten Nährstoffhaushalt, Ernährung und mehr Bewegung im Alltag). Die 10kg sind bald nicht mehr wichtig. Die Waage darf gleich als ganzes verschwinden und ausziehen.
“Wenn ich den neuen Job habe, bin ich glücklich”
👩🏽⚕️ Claudia merkt, dass ihre Unzufriedenheit aus dem Job gar nicht an ihrer Position liegt, sondern an der Anstellungsform. Sie möchte eigentlich mehr Freiheiten und Flexibilität. Sie spricht diese Themen im nächsten Mitarbeiterfeedback Gespräch an und ist dankbar, dass vieles davon umgesetzt werden kann. Sie schätzt es, sich dort schon ein paar Jahre Reputation aufgebaut zu haben und ihre Kolleg:innen gut zu kennen. Weiters arbeitet sie gerade im Coaching daran, nicht so auszubrennen, weil sie merkt, dass sie ihren Selbstwert aus der Arbeit bestimmt. Das würde ihr bei jeder anderen Stelle auch passieren, da das etwas ist, das sie mitträgt.
“Wenn ich einen Partner habe, wird mein Leben leichter”
👰🏼♀️ Judith vertraut darauf, dass ihr zukünftiger Partner irgendwo da draußen ist und nutzt die Zeit, die sie in Selbstmitleid und schlechten Dates verbracht hat, damit sich um ihre Interessen zu kümmern, für die sie jetzt mehr Zeit hat als jede gebundene Frau oder Mutter, weil sie weiß, dass sich das ganz schnell ändern kann. Sie beginnt eine neue Ausbildung und macht eine lang ersehnte Reise. Dadurch lernt sie viele neue Menschen kennen, die gleich einige Interessen mit ihr teilen.
“Wenn ich erst schwanger bin, wird alles gut”
🤰🏻 Sara hat durch ihren starken Kinderwunsch aufgehört zu Leben. Sie hat ihre Existenz auf einen Brutkasten reduziert und vergessen auf Ihre Bedürfnisse als Frau, als Mensch abseits dieses Themas zu hören. Ihr fällt auf, dass sie und ihr Partner alle Dinge nur noch auf fruchtbarkeitsfördernd oder -mindernd einstufen und vergessen haben, einfach Spaß zu haben. Zusammen planen sie ihre Wohnung zu renovieren und Dinge zu unternehmen, für die sie als Eltern vorerst keine Kapazitäten mehr haben werden. Auf sexueller Ebene lernen sie sich neu kennen und probieren neue Dinge aus, die Spaß machen unabhängig davon, wann der nächste Eisprung stattfindet.
“Wenn mein Kind im Kindergarten ist, wird es leichter”
🙆 Helena hat erkannt, dass sie ihre hohen Ansprüche loslassen darf – die ständige Erwartung, beruflich so leistungsstark wie vor der Mutterschaft zu sein und gleichzeitig eine perfekte Mutter zu werden. Sie hat verstanden, dass das Leben aus unterschiedlichen Phasen besteht, und dass sie nun bewusst in die Phase der Mutterrolle eingetaucht ist. Sie hat gelernt zu akzeptieren, dass sich Dinge verändern dürfen und sie ihren Alltag neu strukturieren darf, um ihre persönliche Balance zwischen Beruf und Mutterschaft zu finden. Sie weiß, ihr Kind ist nur einmal so klein und dass diese Zeit so schnell vergeht. Sie arbeitet seit 20 Jahren mit vollem Fokus, jetzt darf ihr Fokus ein paar Jahre auf ein anderes Highlight gerichtet sein. Sie hat ein paar Stunden im Job reduziert, um noch 1h für sich zu haben bevor sie ihr Kind aus dem Kindergarten abholt und nutzt diese Stunde, um etwas für sich zu tun.
“Ich brauche nur noch diese eine Ausbildung, dann starte ich mein Business”
👩🏿🎤 Andrea hat bei einem Coaching alle ihre Kompetenzen visuell geclustert und gemerkt, wie viel Fachwissen und persönliche Erfahrung sie schon hat. Das frisch aufgebaute Selbstbewusstsein hat ihr geholfen, mit ihrer Website endlich online zu gehen und in die Sichtbarkeit zu gehen. Außerdem hat sie Menschen, mit denen sie bereits inoffiziell gearbeitet hat, angefragt ihr eine Rezension zu schreiben und nutzt diese auf ihren Kanälen. Sie ist in einem Women-Circle mit anderen Jungunternehmerinnen im Austausch und kann sich dort zu Themen austauschen, wo sie das Gefühl hat noch Input zu brauchen.
“Wenn ich endlich in der Pension bin habe ich Zeit”
🧑🏽🦳 Karina hat beschlossen nicht auf morgen zu warten und die Altersteilzeit gewählt, um jetzt mehr Zeit für ihre Interessen abseits des Jobs zu haben. Sie hat einen Kleingarten angemietet und spaziert nun jeden Nachmittag nach der Arbeit zu ihrem Garten, um Blumen anzubauen und sich eine Oase zu schaffen. Ihre Lebensgefährtin war davon so inspiriert, dass sie sich eine Töpferscheibe gekauft hat und nun gestalten die beiden wunderschöne Vasen und Blumengestecke in ihrem Gartenhäuschen.

Dein Weg beginnt im Hier und Jetzt
Nichts von dem, was ich hier beschrieben habe, musst du alleine schaffen. Das Leben verläuft selten geradlinig – wir alle machen Kurven, Schleifen und Umwege. Das Wichtigste ist, den ersten Schritt zu tun. Egal ob du gerade in einer “Wenn-Dann”-Schleife festhängst, dich ständig mit anderen vergleichst oder einfach das Gefühl hast, dass mehr in dir steckt: Du kannst JETZT damit beginnen, dein Leben bewusster zu gestalten.
Mind Distillery startet bald mit maßgeschneiderten Programmen, die dich dabei unterstützen, dein Potenzial zu entfalten und dein Glück ins Hier und Jetzt zu holen. Melde dich für meinen Newsletter an und sei eine der Ersten, die von den Angeboten erfährt.
© Fotos: Midjourney



